Chandler Baker: Das Ende ist erst der Anfang [Rezension]

Cover Das Ende ist erst der Anfang © Thienemann-Esslinger
Cover © Thienemann-Esslinger

In 23 Tagen wird Lake 18. Dann hat sie die Chance, genau einen Menschen von den Toten auferstehen zu lassen. Ihr behinderter Bruder wäre nach der Auferstehung wieder gesund und sollte Lakes erste Wahl sein. Doch gerade sind ihre beste Freundin und ihr Freund bei einem Unfall ums Leben gekommen. Für wen soll sie sich entscheiden? Ist es überhaupt richtig, Gott zu spielen und über Leben und Tod zu bestimmen? Lake steckt in einem Dilemma, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt … (Klappentext © Thienemann Verlag)

Mit dem Unfalltod ihrer besten Freundin Penny und ihres geliebten Freunds Will zerbricht Lakes Welt kurz vor ihrem18. Geburtstag in Scherben – wieder einmal. Zuletzt geschah dies als ihr Bruder Matt vor fünf Jahren von einem Baum stürzte. Seitdem ist Matt vom Hals an abwärts querschnittsgelähmt. Für ihn hatte Lake eigentlich ihren Resurrection-Wunsch aufheben sollen, denn mit dem 18. Geburtstag hat jeder Bürger die Möglichkeit, mittels einer neuen, nicht unumstrittenen Technologie einen Menschen auferstehen zu lassen. Doch nun ist Lake in der Zwickmühle. Wen soll sie auferstehen lassen? Ihren Bruder, der seit fünf Jahren darauf wartet? Oder Will, für den ihr Herz schlägt. Was ist mit Penny, der besten und selbstlosesten Freundin, die sie je hatte? Als nun die Eltern der drei Jugendlichen beginnen, auf Lake einzuwirken, sieht Lake keinen Ausweg. Kann sie sich überhaupt entscheiden?

„Das Ende ist erst der Anfang“ ist ein ernstes Jugendbuch mit einem spannenden Thema. In einer nahen Zukunftsvision unserer Welt ist es möglich, Menschen wieder zum Leben zu erwecken. Damit es aber nicht zu einer Bevölkerungsexplosion kommt, erhalten inzwischen nur noch Jugendliche an ihrem 18. Geburtstag dieses Privileg. Was vielleicht wie ein dystopisches Szenario klingt, ist jedoch in erster Linie eine konstruierte Situation, um ethische Themen aufzugreifen. So steht Lakes Beziehung zu ihrem tetraplegischen Bruder und die Veränderung seiner Persönlichkeit sowie die enge Freundschaft zu Will und Penny im Vordergrund.

Lake ist ein lebenslustiges Mädchen, das sich jedoch in seinen Beziehungen ganz auf Will und Penny fokussiert, die einzigen Menschen, mit denen sie sich wohl fühlt. Von ihren Eltern, die sich vorrangig um Matt kümmern und deren Leben sich nur noch um den Bruder zu drehen scheint, fühlt sie sich ausgeschlossen. Matt redet kaum mit ihr, was sie besonders kränkt, da sie früher ein liebevolles, geschwisterliches Verhältnis hatten. Wie sehr Lake sich von allen abgekapselt hat, stellt sie fest als sie Ringo kennenlernt. Der Junge mit dem auffälligen Muttermal im Gesicht und der Liebe für die Beatles hilft Lake dabei, sich selbst zu finden. Die sich anbahnende Liebesbeziehung empfand ich angesichts der kurzen Zeit als komplett überflüssig. Immerhin ist Lakes große Liebe Will gerade erst gestorben, die schnelle Umorientierung hat mich da sehr irritiert. Der Roman wäre auch ohne diese Wendung gut ausgekommen.

Die zwei zeitlich fokussierten Handlungsstränge, die sich durch das Buch ziehen, erzählen einmal vom Unfalltod Wills und Penny aus die 23 Tage bis zu Lakes Geburtstag und einmal beginnend (und dabei größere Zeiträume überspringend) von Matts Unfall, der zu seiner Lähmung geführt hat. Auf diese Weise erfahren die Leser nicht nur mehr über die Ich-Erzählerin Lake, sondern können die Ausweglosigkeit ihres Dilemmas besser nachvollziehen. Neben Themen wie Freundschaft, Familie, Verlust und Vertrauen wird auch der gesellschaftliche Umgang der Resurrection-Möglichkeit angesprochen. Wie ergeht es Menschen, die wiederbelebt wurden? Wie gehen ihre Familien damit um? Auch Resurrection-Partys, die geradezu obszön erscheinen, gehören mit dazu.

Chandler Baker schreibt in einem sehr angenehmen, ansprechenden Stil. Das Buch richtet sich auch sprachlich an Jugendliche, ohne dabei in übertriebenen Jugendslang zu verfallen.
Für Spannung sorgt eine kleine Schnitzeljagd, die Will für Lakes Geburtstag vorbereitet hat und die mich an „Margos Spuren“ erinnerte. Die, ich nenne es mal pädagogische, Zielrichtung des Romans ist eigentlich recht früh ersichtlich, spätestens wenn ethische Aspekte zunehmend eine Rolle spielen. So ist auch Lakes letztendliche Entscheidung keine große Überraschung mehr. Dafür wartet die Autorin jedoch mit einem anderen Twist auf, den ich keinesfalls erwartet hätte und der es für mich noch mal so richtig herausgerissen hat.

„Das Ende ist erst der Anfang“ist ein ruhiger, nachdenklich machender Roman für junge Menschen mit einem spannenden Thema und einer großen Überraschung.

© Tintenhain


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Einzelband
Gebundene Ausgabe:
400 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (17. Juli 2018)
Originaltitel: This is not the End
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Gerda Bean
ISBN-10: 3522202481
ISBN-13: 978-3522202480
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Preis: € 17,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Das Ende ist erst der Anfang © Thienemann-Esslinger
Cover © Thienemann-Esslinger

2 Kommentare

  1. Moin!
    Jetzt hast du mich doch glatt neugierig auf das Buch gemacht. Wobei der Punkt mit der sich anbahnenden neuen Liebe mich möglicherweise sehr stören könnte. Andererseits fände ich die Perspektive des Geschwisterkindes eines behinderten Menschen sehr interessant.
    Ich glaube, ich werde das Buch erst einmal auf der Wunschliste vermerken, mir dann aber nochmal Gedanken darüber machen.
    Vielen Dank auf jeden Fall für die Rezension.

    Liebe Grüße
    Seitenfetzer

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