Patricia Schröder: Fanatisch [Rezension]

Fanatisch Cover © Coppenrath Verlag
Cover © Coppenrath Verlag

Sechs Mädchen verschwinden spurlos und kehren nach sechs Tagen völlig unvermittelt nach Hause zurück – in einheitlicher Kleidung, mit einer genähten Wunde an der Hand und alle sechs schweigen beharrlich. Religiöse Fanatiker haben sie auf grausame Weise biblischen Ritualen unterzogen. Nara ist eine der Geiseln gewesen und auch sie darf kein Wort sprechen. Denn der Entführer hat gedroht, ihrem Bruder etwas anzutun. Doch warum wurde gerade sie auserwählt? Langsam erkennt Nara, dass ihr Martyrium Teil eines größeren Plans ist, in dem sie eine besondere Rolle spielt. Und nur wenn sie es rechtzeitig schafft, sich in die fanatische Gedankenwelt des Täters zu vertiefen, kann sie das große angekündigte Unheil verhindern. (Klappentext Fanatisch © Coppenrath Verlag)

Sechs Tage nach ihrem Verschwinden tauchen sechs Mädchen eines Abends wieder vor der Haustür ihrer Eltern auf. Sie tragen neue Kleidung, haben eine professionell versorgte Wunde an der Hand und sie sprechen kein Wort.
Alles beginnt mit einer Nachricht, die die siebzehnjährige Nara Tage zuvor erhält „Stelle dich niemals gegen den göttlichen Willen! Es könnten furchtbare Dinge geschehen“. Kurz darauf verschwindet der geliebte Hund der aus dem Iran stammenden Familie. Doch es kommt noch schlimmer: Denn bald wird auch Naras kleiner Bruder Sinan bedroht. Nara tut alles, um Schlimmeres zu verhindern, doch weiß sie nicht, wer dieser kranke Fanatiker ist, der offensichtlich hinter ihr her ist. Um es herauszufinden, muss sie durch die Hölle gehen.

Der Jugendthriller beginnt mit einem Zeitungsausschnitt, in dem über die Rückkehr der sechs Mädchen berichtet wird. Im ersten Teil des Buches wird in einer ausführlichen Rückblende erzählt, was in den Tagen zuvor geschah. Man erfährt auch, was in den sechs Tagen des Verschwindens passierte, so dass man in der Hälfte des Thrillers komplett auf dem Wissensstand der Ich-Erzählerin Nara ist. Im zweiten Teil geht es letztendlich um die Folgen der Entführung und die Überführung der Täter.

Der Aufbau hat mir sehr gut gefallen, auch wenn man durch den anfänglichen Zeitungsausschnitt bereits wusste, worauf es hinausläuft. Immer noch im Raum steht ja die Frage, was eigentlich in den sechs Tagen passiert ist und wie es dazu kam. So tat es der Spannung auch keinen Abbruch zu wissen, dass die Mädchen entkommen würden. Auch der zweite Teil konnte mich von der Spannung her überzeugen und die Auflösung war weitestgehend zufriedenstellend. Die Abschnitte, die mit „Du“ und „Er“ übertitelt sind und außerhalb von Naras Erleben spielen, haben mich tatsächlich eher verwirrt als mir bei der Suche nach dem Täter zu helfen.

Ein wenig fehlte mir der Tiefgang bei den Figuren. Die Eltern von Nara, die fast immer „arabisch“ bezeichnet wird, stammen aus dem Iran. Der Vater ist aktiv in der benachbarten Flüchtlingsunterkunft, die Flüchtlingskrise ist noch immer spürbar. Irritiert hat mich, dass das Essen meist Arabisch war, abgesehen von dem indischen Lassi. Anfangs wies nur das Kosewort „Azizam“ auf die iranische Herkunft hin.
Von den Figuren außerhalb der Familie erfährt man nicht allzu viel. Auch die fünf anderen Mädchen bleiben sehr blass, was natürlich damit zu erklären ist, dass Nara sie kaum kennen lernen kann.

Alles in allem hat mich „Fanatisch“ gut unterhalten und war fast durchgängig spannend. Aufgrund der fanatsisch-religiösen Thematik waren Teile des Thrillers sehr konstruiert, da sie einer biblischen angehauchten Logik folgen mussten. Natürlich habe ich schnell das Stichwort gegoogelt und dadurch schon erfahren, was als nächstes kommen muss, da ein Teil des biblischen Bezugs zunächst verschwiegen wird. Gefallen hat mir der Umgang mit dem Thema Religion und Fanatismus, insbesondere da dieser Zusammenhang zur Zeit ausschließlich auf den Islam projiziert wird. Schröder arbeitet auch Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen heraus und zeigt auf, wie das geschriebene Wort zu Fehlinterpretationen verführen kann.

Patricia Schröder schreibt flott und eingängig und ich hatte vor allem Spaß an den Dialogen zwischen Nara und ihrer besten Freundin Charlotte. Der Thriller ist gut durchdacht und spannend geschrieben, so dass ich ihn weiter empfehlen kann. Allerdings sollte man sich an die Altersempfehlung ab mindestens 14 Jahren halten, da religiöse Fanatiker bekanntlich nicht allzu zimperlich in ihren Methoden sind.

© Tintenhain


Leseprobe

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Einzelband
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Coppenrath (5. Februar 2018)
ISBN-10: 3649624540
ISBN-13: 978-3649624547
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preis: € 17,95 [D]
Rezensionsexemplar
Cover © Coppenrath Verlag
Cover © Coppenrath Verlag

4 Kommentare

  1. Guten Morgen Mona!

    Der Klappentext hat mich jetzt fast etwas „zurückhaltend“ gemacht, denn das klingt schon sehr erschreckend. Aber da es ein Jugendbuch ab 14 Jahren ist, und vor allem wie du es beschreibst, bleiben einem wohl heftige Szenen erspart. Neugierig gemacht hat mich der Ansatz schon, allerdings so ganz überzeugen konnte es mich jetzt nicht, dass ich es unbedingt lesen muss. Bei Thrillern bin ich eh immer vorsichtig, weil es so viele gibt die super spannend sein sollen und mich so gar nicht mitreißen können ^^

    Aber freut mich dass es spannend war und es dir doch gut gefallen hat 🙂

    Liebste Grüße, Aleshanee

  2. Das Buch lief mir ja schon öfter über den Weg und deine Rezension lässt mich etwas zwiegespalten zurück … den Plot finde ich ja mega interessant und kann mir das spannend vorstellen, sich durch die Geschichte zu lesen. Dann aber ist es ein Jugend(buch)thriller und du kritisierst die fehlende Tiefe … hachz, ich weiß nicht recht … 😀

    Hab einen mukkelig-sonnigen sonntag :-*

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