Anja Baumheier: Kranichland [Rezension]

Cover Kranichland
Cover © Rowohlt Verlag

Die Groen-Schwestern wachsen im Ost-Berlin der sechziger Jahre heran. Unterschiedlicher könnten die beiden Mädchen nicht sein: Charlotte, die ältere, brennt ebenso für den Sozialismus wie ihr Vater Johannes, der am Ministerium für Staatssicherheit Karriere macht. Die künstlerisch begabte Marlene hingegen eckt überall an und verliebt sich Hals über Kopf in Wieland, einen Pfarrerssohn, der die DDR kritisch hinterfragt. Mit jedem Tag wächst die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Als das junge Paar beschließt, in den Westen zu fliehen, trifft Marlenes Vater eine Entscheidung – mit fatalen Folgen, die noch Jahrzehnte später spürbar sind … (Klappentext Kranichland © Rowohlt Verlag)

Theresa fällt aus allen Wolken als sie von einem Anwalt erfährt, dass sie ein Haus in Rostock geerbt hat. Noch verwunderlicher ist, dass es ausgerechnet ihrer Schwester Marlene gehört haben soll, die in den 70er Jahren bei einem Bootsunfall ums Leben gekommen ist. Theresa hat Marlene nie kennengelernt, denn die Schwester verschwand als sie noch nicht geboren war. Plötzlich tauchen viele Fragen auf. Wer ist dieser Tom Halász, der das Haus mit ihr gemeinsam geerbt hat? Was geschah tatsächlich mit Marlene? Theresas Mutter, die an Demenz erkrankt ist, kann die Fragen nicht mehr beantworten. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Charlotte versucht sie, Licht ins Dunkel zu bringen.

In Rückblenden, ausgehend von den Kriegsjahren, in denen die Eltern Johannes und Elisabeth schon als Kinder tiefes Leid erfahren haben, rollt Anja Baumheier die Familiengeschichte auf und erzählt, was damals geschah und wie es dazu kommen konnte. Doch auch die Geschehnisse in der Gegenwart werden nicht vernachlässigt und es wird aufgezeigt, was das damals Geschehene heute noch mit den Menschen, die darin verwickelt waren, macht. Als die Wahrheit Stück für Stück ans Licht kommt, müssen sich die Familienmitglieder entscheiden, wie sie damit umgehen und weiterleben möchten.

Anja Baumheier zeigt in „Kranichland“, wie tief die Narben sind, die die DDR bei vielen Menschen hinterlassen hat. Aber auch den ehemaligen NVA-Offizier, der nicht verstehen kann, warum geltendes Recht nun Unrecht sein soll. Die Staatsbürgerkundelehrerin, die wie viele andere, plötzlich ohne Beruf dastand und umsatteln musste. Es gelingt ihr, Schlaglichter auf die Zeit der DDR von der Entstehung bis zum Untergang zu werfen und so einen kleinen Überblick zu schaffen, der ein Gefühl vom Leben in der DDR ansatzweise vermitteln kann.

Die Geschichte der Familie Groen ist gut konstruiert und mit dem Wechsel der Zeitebenen spannend erzählt. Anja Baumheier schreibt in einfacher Sprache, die leicht erzählt und zu berühren vermag.

Mich hat die Geschichte der Familie Groen sehr bewegt. Das sich Verlieren und Wiederfinden, die tiefen Narben, die nur schwer zu heilen sind, die Entscheidungen, die getroffen werden mussten und nie zu widerrufen sind.

Eine berührende Familiengeschichte vor dem Hintergrund der DDR.

© Tintenhain


Leseprobe

weitere Rezensionen von Bloggern
Home is where the boys are
Lesegenuss
Buchgefieder
Moms Favorites and more


Werbung

Anja Baumheier: Kranichland

Einzelband
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Wunderlich (13. März 2018)
ISBN-10: 3805200218
ISBN-13: 978-3805200219
Preis: € 19,95 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Kranichland
Cover © Rowohlt Verlag

13 Kommentare

  1. Sehr schöne Rezi! Das Buch habe ich bereits auf meiner Merkliste und möchte es auch bald lesen. Der Klappentext hatte mich überzeugt. Nach deiner Buchvorstellung jetzt, bin ich mir sicher, dass ich es auch lieben werde. 🙂
    GlG vom monerl

      1. DAS habe ich auch festgestellt! Musste grinsen! Habe jetzt wohl die Anzal der nötigen Kommentare auf deinem Blog erreicht, um als vertrauenswürdig zu gelten! hahahaha 😛

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.