Jürgen Albers: Crossroads (1) [Rezension]

Cover (c) Selfpublishing

 

Juni 1940: Der Frühsommer erstrahlt über der britischen Kanalinsel Guernsey. Für den erfahrenen Londoner Inspektor Charles Norcott scheinen die beschaulichen Inseln im Ärmelkanal keine Herausforderung bereit zu halten. Doch das freundliche Sonnenlicht ist trügerisch und beleuchtet die Leiche einer jungen Frau. Kaum haben die Ermittlungen begonnen, als sich bereits neues Unglück zusammenbraut. Die deutsche Wehrmacht hat Frankreich überrannt und besetzt nun auch die britischen Kanalinseln in einem Handstreich. Nach einem zweiten Mord überschlagen sich die Ereignisse. Auf einer kleinen Insel, abgeschnitten und besetzt vom Feind, muss Norcott erkennen, dass er es mit mehr als einem Gegner zu tun hat. Grenzen verwischen sich und die Welt scheint voller Masken. Auch im hellen Sonnenschein bleibt die entscheidende Frage: Hinter welcher Maske steckt ein Freund, hinter welcher der Gegner? (Klappentext)

 

Auf der britischen Kanalinsel Guernsey wird die Leiche einer Frau gefunden. Die Invasion der Deutschen im Jahre 1940 steht kurz bevor. Schwierige Voraussetzungen für Inspector Norcott, ausgerechnet jetzt anständige Ermittlungen in einem Mordfall zu betreiben. Die britische Armee zieht ab und überlässt die Kanalinseln kampflos. Der Zivilbevölkerung wird eine Evakuierung angeboten. Die Insel ist im Aufbruch.
Kurz darauf wird die Insel besetzt und vom Festland isoliert. Als eine weitere Leiche auftaucht, wird klar, dass Norcott zumindest ein Mörder auf der Insel geblieben sein muss.

Jürgen Albers steigt zu einem historisch interessanten Zeitpunkt in seinen Kriminalroman ein. Die teilweise Evakuierung der Kanalinseln, das Eintreffen der Deutschen und die politischen Schachzüge und Fallstricke im Hintergrund machen „Crossroads“ zu mehr als einem simplen Ermittlerkrimi. Die Hintergründe machen einen sehr gut recherchierten Eindruck. Zudem fließen viele historische Details in die Geschichte ein und machen das Setting sehr lebendig und anschaulich. „Crossroads“ ist der erste Fall von Inspector Norcott und überzeugt mit einer ruhigen Erzählweise, die mehr auf einen ausführlichen Hintergrund und ausgiebige Recherchearbeiten als auf Action und Drama setzt. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und eingängig. Die Sprache ist ausgefeilt und zeugt von einem sehr guten Ausdrucksvermögen, so dass es einfach Spaß macht, den Roman zu lesen.

Die erschwerenden Umstände, die Inspector Norcott nur wenig Möglichkeiten zur Recherche bieten, tragen dazu bei, dass sämtliche Überlegungen und Anstrengungen detailliert und ausführlich beschrieben werden. Die Ermittlungen im Mordfall nehmen demzufolge sehr viel Raum ein, wirken sehr realitätsnah und kommen dennoch oder gerade deshalb kaum voran. Die schwierige Lage der Bevölkerung, deren Versorgung immer auf einem Handel mit dem Festland bestanden hat, wird im Blick behalten und es wird ein sehr stimmiges und atmosphärisch nachvollziehbares Bild der Besatzungszeit gezeichnet.
So kam es auch, dass mich der historische Hintergrund weit mehr beschäftigte als die Frage, wer denn nun die arme Nora Henley umgebracht hatte. Ein zweiter, weniger ausführlicher Handlungsstrang beschäftigt sich mit britischen Agenten, die auf der Insel undercover arbeiten. Dieser kommt erst relativ spät zum Tragen, beschleunigt dann aber die Handlung erheblich.

In meinen Augen zog sich der Roman durch die ausführlichen Ermittlungen in die Länge. Das Ende wird im Gegensatz dazu sehr turbulent, die Ereignisse überschlagen sich, was der Spannung gut tut. Jedoch bin ich recht unzufrieden mit der Aufklärung des ursprünglichen Mordfalls, in dem ewig ermittelt wurde und dann war die Aufklärung so simpel. Ich hab auch das Mordmotiv leider nicht verstanden oder überlesen.

Inspector Norcott hat mir als Ermittler und Charakter sehr gut gefallen. Er hat Ecken und Kanten und ist dennoch sympathisch. Insbesondere wegen der geschichtlichen Hintergründe könnte ich mir vorstellen, auch den zweiten Teil „Erased“, der derzeit in Arbeit ist und in Oxford nach dem Zweiten Weltkrieg spielen wird, zu lesen.

© Tintenhain

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Jürgen Albers: Crossroads (1)

Krimireihe, Band 1
Taschenbuch: 616 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (5. Juni 2017)
ISBN-10: 1545357617
ISBN-13: 978-1545357613
Preis: € 15,99 [D]

eBook
Preis: € 4,99 [D] (Stand Oktober 2017, auf Thalia.de)
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19 Kommentare

      1. Hallo Ihr Lieben,
        also: Herbst 2017 war ursprünglich mal geplant, lässt sich aber nicht halten als Termin. Die derzeitige Planung geht auf den 01.04.18 zu. Ich möchte, dass es gut wird und eine Steigerung zu Crossroads.
        Liebe Grüße
        Jürgen

      2. Öm… ja. Und um ehrlich zu sein, wird es wohl noch eine Parallelveröffentlichung eines Science-Fiction geben. Übrigens: Für die Inspektor-Norcott-Fans: Zu Weihnachten wird es eine Kurzgeschichte geben.

  1. Hallo liebe Mona,
    vielen Dank für die tolle Rezension und das Lob. Atmosphäre ist mir wirklich sehr wichtig. Die entsprechende Recherche ist tatsächlich sehr aufwendig, so dass dann auch ein schöner „Film“ vor dem geistigen Auge des Lesers entsteht.
    Herzliche Grüße
    Jürgen

    1. Lieber Jürgen.

      ich freue mich sehr, dass Du hier kommentierst. Die Atmosphäre ist wirklich sehr gut gelungen: Das erwarte ich natürlich auch vom zweiten Teil. 😉

      Liebe Grüße,
      Mona

      1. Hallo Jürgen, jetzt habe ich es gelesen. Was mir an deinem Buch gefällt: Es taucht komplett in eine andere Zeit ein. Die Atmosphäre wird spürbar. So könnte es in den 40er-Jahren wirklich gewesen sein. Das Zeitgefühl kommt sehr gut rüber. Auch die Zeit der Evakuierung, die Vorbereitungen auf die Invasion sind sehr gut beschrieben. Das öffnet den Blick für die kleinen Dinge des Alltags. So etwas habe ich selten gelesen. Danke dafür, dass es nicht einfach nur ein Kriminalfall ist.

    1. Liebe Anke,
      vielen Dank für deine Rückmeldung. Wie gesagt, Atmosphäre ist für historisch angelegte Romane aus meiner Sicht ein absolutes Muss. Die Atmosphäre ist für den Leser das Portal, das ihn in die andere Zeit führt. Diesen „Transport“ kann der normale Leser (ohne Spezialkenntnisse) selbst nur schwer leisten. Deine und andere ähnliche Rückmeldungen bestärken mich in meiner Richtung. Und ich kann versprechen: #Erased wird noch einmal eine Schippe drauflegen in Sachen Recherche und Atmosphäre 🙂
      Liebe Grüße
      Jürgen

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