Andreas Winkelmann: Housesitter [Rezension]

Cover (c) Rowohlt Wunderlich

Er will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter
Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.
Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen… (Klappentext)

Er lauert darauf, dass sie aus dem Urlaub wiederkommen und bewohnt solange ihr Haus. Dann erschlägt er den Mann und entführt die Frau. Dies ist das Szenario, das Kommissar Scheurich vorfindet. So richtig weiß er nicht, wie er die entführte Saskia wiederfinden soll. Eher halbherzig und ratlos erscheint die Suche der Polizei auf den ersten Blick. Gut, dass Saskias Freund Thomas bei dem Anschlag auf seinen Leben noch einmal davon gekommen ist und sich selbst auf die Spur des offensichtlich psychisch gestörten Entführers setzen kann. Zu Hilfe kommt ihm dabei Priska Wagner, die im angrenzenden Landkreis auf den Fall einer mit einem Hammer ermordeten Altenpflegerin angesetzt ist und eine Verbindung zum „Housesitter“ sieht. Als es ein weiteres entführtes Opfer gibt, deren Mann erschlagen wurde, gerät die Polizei unter Druck und setzt alles daran, den Housesitter zu finden.

Andreas Winkelmann hat ein interessantes Szenario für seinen Thriller gewählt und thematisiert Befürchtungen, die Verreisenden durchaus geläufig sind: Wer passt auf unser Haus auf, wenn wir weg sind? Der Thriller beginnt spannend, doch recht schnell tritt die Handlung auf der Stelle. Scheurich weiß gar nicht, was er machen soll. Opfer Thomas liegt im Krankenhaus und auch später hat er kaum Handhabe. Der Täter plant gemächlich seinen nächsten Coup. Nur Priska Wagner bringt mit ihrer erfrischenden Art immer wieder Bewegung ins Spiel. Sie ist letztendlich auch die interessanteste Figur mit ihrem Wagemut, ihrer Chuzpe, sich über Anweisungen hinwegzusetzen und ihrer unkonventionellen Herangehensweise. Selbst ihr Kollege Kerkmann, den sie eigentlich eher bei den Pfadfindern als bei der Polizei sieht, ist interessanter als der brummiger Scheurich, der beamtenmüde einen Routinejob erledigt oder der Täter, der in Rückblenden seine traurige, „alles erklärende“ aus Gewalt und Demütigung bestehenden Kindheit präsentiert.

Die komplexe Erzählstruktur, bei der immer wieder eine andere Perspektive eingenommen wird, macht es manchmal nicht ganz leicht zu wissen, bei wem sich der Leser gerade befindet. Mal begleitet man den Psychopathen, mal sind es die Ermittler oder auch die Opfer. Wenn in einem neuen Kapitel erst einmal nur von „er“ gesprochen wird, fliegt der Blick dann auch schon mal weiter, um erst einmal herauszufinden, wer „er“ eigentlich ist. Letztendlich ist es aber diese abwechslungsreiche, sprachlich eher unspektakuläre Erzählweise, die es schafft, den Leser bei der Stange zu halten und den Wettlauf um die nächsten Opfer gespannt zu beobachten.

Zum Schluss hin zieht Winkelmann noch einmal kräftig an und die Spannung erfährt neue Höhepunkte, auch wenn sich nur wenige Überraschungen auftun. Das Buch konnte ich nun kaum noch aus der Hand legen.
„Housesitter“ ist ein gut erzählter, meist spannender, unterhaltsamer Thriller, der mit weniger Blut auskommt als befürchtet – bleibt für mich zwar lesenswert, aber leider eher unspektakulär.

© Tintenhain

Leseprobe
Autorenseite

weitere Rezensionen von Bloggern
Lesen und Hören
Mem-O-ries
World of Books and Dreams

Werbung

Andreas Winkelmann: Housesitter

Einzelband
Broschiert: 496 Seiten
Verlag: Wunderlich (18. August 2017)
ISBN-10: 3805251025
ISBN-13: 978-3805251020
Preis: 14,99 € (D)
Rezensionsexemplar

Cover (c) Rowohlt Wunderlich

 

6 Kommentare

  1. Das Buch sprang mir schon öfter ins Auge und ich war schon unsicher, ob es wirklich das richtige für mich wäre. Nach deiner Besprechung bezweifle ich das jedoch eher … Aber was solls? Der SuB dankt dir *lach

    Hab einen feinen Start ins WE!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.