Kathryn Evans: Einzig [Rezension]

Cover (c) Fischer KJB

Stell dir vor, dein Leben dauert nur 365 Tage.
Danach übernimmt jemand anderes dein Leben: deine Clique, deinen Freund – alles, von dem du meinst, dass es einzig und allein dir gehört …
Die sechzehnjährige Teva scheint ein vollkommen normales Mädchen zu sein. Nicht einmal ihr beste Freundin Maddy oder ihr Freund Ollie ahnen, dass sie nicht ist, was sie vorgibt zu sein. Dass Teva sie anlügt, an jedem einzelnen Tag. Dass sie nur eine von vielen ist. Zu Hause warten ein Dutzend jüngere Versionen von ihr, für immer und ewig acht, neun oder zehn Jahre alt. Weggesperrt, nachdem sie 365 Tage lang so getan haben, als würden sie ein ganz normales Leben leben.

Teva ist nicht bereit, ihre Freiheit und ihre Freunde aufzugeben, doch ihre Zeit läuft langsam ab. Nummer Siebzehn wartet nur darauf, endlich an die Reihe zu kommen. Tee beschließt, dass es ein Ende haben muss. Sie wird kämpfen, koste es, was es wolle … (Klappentext)

Ein Jahr lang leben, zur Schule gehen, Freunde haben und in Freiheit aufwachsen. Ein ganzes Jahr, bevor jemand Neues Tevas Leben übernimmt und sie den Rest ihres Lebens eingesperrt mit ihren Vorgängerinnen verbringen wird, deren Leben sie für 365 Tage weitergelebt hat. Nach außen hin ist bei der sechzehnjährigen Teva alles normal. Sie geht zur Schule, spielt im Theaterprojekt mit und hat einen süßen Freund, mit dem sie am liebsten ihre gesamte Zeit verbringen würde. Genauso wie mit ihrer besten Freundin Maddy, die sie schon seit der ersten Klasse kennt. Naja, genau genommen ist es Sechs, die Maddy seit der ersten Klasse kennt. Teva hat nur die Erinnerungen übernommen. Auch die Erinnerungen und Gefühle für ihren Freund Ollie hat Teva im Grunde ihrer Vorgängerin Fünfzehn zu verdanken, die ihr allerdings nicht verzeihen kann, dass Teva nun das Leben lebt, das eigentlich ihr zugestanden hätte. Auch Teva kann sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass sie es bald sein soll, die den Staffelstab an die Nächste überreicht und überlegt fieberhaft, wie sie ihrem grausamen Schicksal eins auswischen könnte. Doch Siebzehn scheint es ganz besonders eilig zu haben. Teva spürt, dass ihr die Zeit davon läuft.

Es ist eine ganz besondere Idee, die Kathryn Evans in ihrem Debüt gekonnt umsetzt. Bereits von der ersten Seite an fesselt die ungewöhnliche Geschichte des jungen Mädchens, das versucht allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg zu gehen. Auch wenn die Konstellation auf den ersten Blick kompliziert zu sein scheint, so gelingt es Kathryn Evans, ihre Geschichte logisch und vor allem verständlich zu vermitteln.
Tevas kurze Lebensspanne in Freiheit ist geprägt von ihrer verqueren Familiensituation und verzweifelten Lage, die unablässig ihre Gedanken beherrscht. Ohne ihre Freundin Maddy und ihren Freund Ollie würde sie den Verstand verlieren. An ihren Selbstzweifeln, Überlegungen und Plänen lässt Teva den Leser ganz nah aus Ich-Perpektive teilhaben, so dass das Hamsterrad der Verzweiflung sich unablässig dreht und der Leser permanent gefordert ist.

So ist „Einzig“ auch von der ersten bis zur letzten Seite von Spannung, aber auch von einer Berg- und Talfahrt der Gefühle geprägt. Evans schreibt eingängig und lebendig. Dabei arbeitet sie viel mit Dialogen, was einen leichten Lesefluss garantiert. Auch wenn mich die Geschichte durchgehend gefesselt und überzeugt hat, hatte ich zwischendurch den Gedanken, ob es sich vielleicht gar nicht um einen Science-Fiction-Thriller, sondern vielmehr um einen Roman über ein Mädchen mit schwerwiegenden psychischen Problemen handelt. Interessanterweise wird genau das dann auch im Roman aufgegriffen und gibt der Handlung eine interessante Wendung. Mehr soll dazu aber nicht verraten werden!

Ein wenig ungeduldig wurde ich bei der Frage nach dem Ursprung der Abspaltungen und warum es nach Eva, die drei ist, erst mit Sechs weiter geht. Die beiden fehlenden „Geschwister“ Vier und Fünf wurden meiner Meinung nach viel zu spät thematisiert. Danach hätte ich meine Mutter und Vorgängerinnen wohl zuerst gefragt. Insgesamt werden jedoch alle Fragen zufriedenstellend beantwortet und die Geschichte abgerundet erzählt.

Mich hat „Einzig“ absolut überzeugen können und ich bin begeistert von der Grundidee, die mir so noch nicht begegnet ist.

© Tintenhain

Leseprobe
Autorenseite

weitere Rezensionen von Bloggern
Merlins Bücher
Fairy Book

Werbung

Kathryn Evans: Einzig

Einzelband
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch (24. Mai 2017)
Originaltitel: More of me
Übersetzung aus dem Englischen: Sabine Reinhardus
ISBN-10: 3733502973
ISBN-13: 978-3733502973
Altersempfehlung: ab 13 Jahren
Preis: 12,99 € (D)
Rezensionsexemplar

Cover (c) Fischer KJB

 

15 Kommentare

  1. Hi Mona,
    das klingt richtig gut und muss unbedingt auf meine Wunschliste!
    Danke fürs vorstellen! 🙂
    Liebe Grüße
    Ela

  2. Hi Mona. Deine Rezi ist klasse und macht mir echt Hoffnung, dass es noch besser wird. Bisher tue ich mich schwer reinzufinden. Deine Gedanken zu den Hintergründen… Science-Fiction oder nicht, sind sehr treffend. Da überlege ich auch die ganze Zeit und du hast mich jetzt noch neugieriger gemacht.
    Liebe Grüße und sonnige Tage

  3. klingt spannend, ich lese die rezi erst mal nicht und besorg mir das buch. viel spaß mit dem purzelchen 🙂

  4. Ich liebäugle schon länger mit dem Buch und war mir immer unsicher, du hast mich nun noch neugieriger gemacht und es wandert auf die WuLi!
    Und das Cover ist fein gemacht – auch wenn ich nicht auf Pink stehe ;P

    Liebe Grüße

  5. Hallo!
    Wow, das Buch klingt wirklich gut. Das behalte ich direkt mal im Auge. Die einzelnen Tevas irritieren mich ein wenig, aber das soll wohl auch so sein. Dein Hinweis auf die psychischen Probleme machen das Buch für mich direkt noch interessanter.
    Ist es eigentlich mehr ein Thriller oder mehr ein Jugendbuch, was meinst du?

    Liebe Grüße
    Sarah

  6. Huhu!

    Sehr schöne Rezension! Ich finde die Grundidee des Buches einfach unglaublich interessant, das ist wirklich mal ganz was Anderes… 🙂

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

  7. So, jetzt habe ich es auch gelesen. Ich orientiere mich gern an deinen Empfehlungen. 😉
    Ein sehr, sehr spannendes Buch. Aber das Ende war für mich enttäuschend. Die heile Welt nehme ich der Geschichte nicht ab. Schließlich steht bald die nächste Teilung an.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.