Tintenhain – Der Buchblog

Buch des Monats – März 2026

Ich bin etwas spät dran mit meinem Rückblick. Ja, Rückblick, weil irgendwie sind diese Beiträge ja doch mehr als ein “Buch des Monats” geworden. Ich überlege auch schon, ob und wie ich das ändere. Aber erst einmal zeige ich wieder, was ich im März gelesen habe. Ein Buch des Monats zu wählen, fällt mir verdammt schwer dieses Mal. Daher sind es jetzt einfach zwei. Eins ist ein Jugendbuch und eins ein kleiner, aber feiner Roman mit Tiefgang. Obwohl – so gesehen haben beide Tiefgang. Aber schaut selbst. Ich verlinke wie immer die Verlage in den Titeln, sodass ihr dort die Buchinfos noch nachschauen könnt.

(Wertung aufsteigend)

 

Cover Yulia Marfutova: Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel

Yulia Marfutova: Eine Chance ist ein höchstens spatzengroßer Vogel

Ich mochte das Buch “Der Himmel vor hundert Jahren”
von Yulia Marfutova sehr gern und hatte mich richtig auf das neue Buch gefreut.

Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich – ein interessanter, experimenteller Erzählstil. Die Perspektive der Mäuse ist ein faszinierendes Element, aber am Ende war es für meinen Geschmack einfach zu sprunghaft. Zwar findet Marfutova immer wieder zu ihrem roten Faden zurück, aber durch vieles, was zusätzlich zwischen den Zeilen ungesagt bleibt, hat mich das Sprunghafte zu sehr im Lesefluss gestört.

Es steckt viel drin, in diesem kleinen Büchlein – am Ende schien es mir jedoch zu viel gewollt.


Cover Kristof Magnusson Die Reise ans Ende der Geschichte

Kristof Magnusson: Die Reise ans Ende der Geschichte

Humorvoller Spionageroman in der NachwendezeitRezension
Kristof Magnusson erzählt leicht und humorvoll, mit Talent fürs Absurde. Dabei lässt er jedoch nicht die politische Realität außer Acht, die die Wendezeit mit sich brachte. Es gelingt ihm, die Atmosphäre der unterschiedlichen Schauplätze von Rom über Kasachstan bis ins Rheinland anschaulich zu beschreiben und dabei einen Hauch alter Agentenfilme aufkommen zu lassen.
Tolle Charaktere, leicht überzeichnet und trotzdem glaubwürdig. Für einen Spionageroman hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht. Trotz allem ein Lesevergnügen!


Cover Emma Haughton: The Dark

Emma Haughton: The Dark

Gut gemachter Locked-Room-Thriller.
Eingeschlossen von Schnee und Eiseskälte mitten in der Antarktis. Die Forschungsstation liegt im Dunkeln. Im Winter scheint keine Sonne und alle leuchten dem Ende des Winters entgegen. Kate ist neu als Ärztin auf der Station und überrascht davon, dass der Tod ihres Vorgängers kein Unfall gewesen sein soll. Das würde heißen, dass sich ein Mörder unter ihnen befindet. Die Mannschaft, die ohnehin unter der Isolation leidet,
beginnt sich misstrauisch zu beäugen. Vor allem Kate ist zunehmend davon überzeugt, dass es eine echte Bedrohung gibt.

Man kann die 14 Charaktere auf der Station überraschend gut auseinanderhalten. Kate ist ein bisschen anstrengend, vor allem weil sie ein unbewältigtes Trauma mit sich trägt. Zeitweise zieht sich die Handlung etwas, aber größtenteils ist es wirklich spannend. Das letzte Drittel über konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Besonders gut gefiel mir, dass ich bis fast zum Schluss nur einige Ideen hatte, wer der Täter ist.


Cover René Anour: Tödliches Gebet

René Anour: Tödliches Gebet

Zweiter Fall für Commissaire Campanard
Dieses Mal geht es in ein Kloster und ich muss sagen, das hat mir deutlich besser gefallen als die Welt der Düfte und Parfums im ersten Fall – das war mir einfach zu viel Chichi um Gerüchte, Düfte und Variationen. Aber ein Geheimnis im Kloster? Oh, là, là!

Mir hat es dieses Mal richtig Spaß gemacht, in den Fall einzutauchen.- Die klösterliche Atmosphäre ist stimmungs- und geheimnisvoll, das hat mir gut gefallen. Der Fall war auch so, dass ich miträtseln konnte und nicht gleich ahnte, wie die Zusammenhänge sind. Auch war mir Campanard nicht mehr ganz so unsympathisch wie in meiner Erinnerung.
René Anour schreibt wie gewohnt locker und mit leichtem Humor. Den nächsten Band werde ich sehr gern auch lesen.


Cover Sara Novic: Klartext

Sara Nović: Klartext

Interessante Einblicke in den Alltag von Gehörlosen
Sara Nović erzählt in ihrem Roman aus drei unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte vom Umgang mit Gehörlosigkeit. Es geht um Eltern, die alles tun, um ein hörendes Kind zu bekommen (Cochlea Implantat) und um Familien, in denen Gehörlosigkeit seit Generationen dazu gehört und deren
Verunsicherung, ein hörendes Kind zu bekommen.
Nović legt eindringlich dar, wie wichtig Sprache für uns alle ist und wie sich “Sprachlosigkeit” auswirken kann. Als Leser:in nimmt man in diesem Buch so viele wertvolle Informationen mit, das fand ich beeindruckend.

Erzählerisch blieb der Roman manchmal hinter meinen Erwartungen zurück, da mir die Handlung zeitweise zu langsam voranschritt. Besonders erwähnenswert finde ich jedoch noch die zahlreichen Infokästen mit Informationen zu Gebärdensprache,
historischen Begebenheiten und anderen Hintergrundinformationen.

Ein Buch, das den Blickwinkel verändert – auf jeden
Fall lesenswert!


Cover Freida McFadden: Der Lehrer

FreidaMcFadden: Der Lehrer – Will er dir helfen oder will er deinen Tod?

Spannender Thriller mit unerwarteten Plottwists
Wenn man Freida McFaddens Bücher kennt, weiß man, dass nichts ist, wie es scheint. Und obwohl ich immer auf der Hut bin und das eine oder andere erahnen kann, kommt doch immer noch ein überraschender Twist obendrauf.

In “Der Lehrer” geht es um eine missbräuchliche Beziehung eines Lehrers zu seiner Schülerin. Seine Ehe steht auf dem Spiel, schon lange haben Nate und seine Frau Eve sich auseinandergelebt. Letztendlich ist es ein einziges Katz-und-Maus-Spiel. Jeder versucht, sein Tun zu verbergen und am Ende scheint es nur einen Gewinner zu geben. Ich fand es spannend geschrieben,
ein Pageturner, dessen Sog man sich kaum entziehen kann. Den letzten Twist im Epilog fand ich jedoch nicht nur überflüssig, sondern einfach auch unglaubwürdig. 
Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Buch von Freida McFadden!


Cover Ali Hazelwood: Two can play

Ali Hazelwood: Two Can Play – Die spielerische Weiterentwicklung von Liebe

Endlich wieder Ali Hazelwood, wie ich sie liebe
Ich wollte ja nach den letzten drei (!) Enttäuschungen kein Buch mehr von Ali Hazelwood lesen und dann war ich in der Onleihe nur einen Mausklick entfernt. Kann es ja noch mal versuchen, dachte ich. Und ich fand die Story und die Charaktere toll! Sicher auch nicht zuletzt wegen des Gaming-Settings. Ich mag Nerds! 

Eine lockere, unangestrengte Lovestory. Charaktere, die es tatsächlich schaffen, miteinander zu reden – nachdem die Hürde endlich genommen wurde. Ich fand es einfach nur schön. Die Geschichte ist recht kurz, vielleicht tut ihr auch genau das einfach gut. Gern mehr davon!


Cover Vera Buck: Der dunkle Sommer

Vera Buck: Der dunkle Sommer

Ein Haus in einem alten Geisterdorf in Italien, ein Traum, der zum Albtraum wird
Vera Buck konnte mich bereits mit ihren beiden Thrillern „Wolfskinder“ und „Das Baumhaus“ überzeugen. “Der dunkle Sommer” ist genauso spannend gelungen, aber dennoch anders. Mich hat vor allem der historische Bezug zu einem dunklen Kapitel der Geschichte Sardiniens überrascht. Tatsächlich hatte ich zuvor noch nie davon gehört. Ich fand es wahnsinnig interessant und habe zwischendurch auch mal gegoogelt, um dann festzustellen, dass Vera Buck sich auf tatsächliche Begebenheiten stützt. Wie immer erzählt die Autorin flüssig, spannend und natürlich mit kleinen Twists. So ganz überraschend kam die Auflösung dann aber nicht.  Ein unterhaltsamer und unerwartet informativer Thriller, den ich gern weiterempfehle. 


Buch des Monats

Cover Basma Hallak: Please Unfollow

Basma Hallak: Please Unfollow

Ein aufrüttelndes, berührendes und unglaublich
wichtiges Buch!
Ich hatte echt nicht geahnt, was Influencer ihren Kindern so antun können. Es ist erschütternd mitzuerleben, wie ein Kind von seinen Eltern seine gesamte Kindheit und frühe Jugend für Klicks, Likes und Kooperationen hochgradig missbraucht und seelisch zutiefst verletzt werden kann. Was für ein aufrüttelndes Jugendbuch, das von mir eine dringliche Leseempfehlung erhält.

Basma Hallak hat einen schnörkellosen, direkten Erzählstil und ein gelingt ihr, vor allem ihre jugendlichen Protagonist:innen sehr empathisch und authentisch zu beschreiben. Ich habe mich in dem Camp unfassbar wohl mit ihnen gefühlt. Was für ein außergewöhnlicher Gegensatz, ein Ort mit Menschen, mit denen eine Heilung gelingen kann. Es ist geradezu wohltuend, wie junge Menschen, die allesamt großes Leid erfahren haben, füreinander und miteinander einstehen. Gerade wenn man immer wieder mit den bösartigen, abwertenden Kommentaren der Follower von Sherrys Eltern konfrontiert wird.

Dieses Buch wird noch lange nachklingen und wird hoffentlich von vielen Menschen gelesen werden. Ich wünsche es mir für ein besseres Miteinander in den sozialen Medien.

Absolute Leseempfehlung!


Cover Svenja Leiber: Nelka

Svenja Leiber: Nelka

Nelka kehrt zurück an diesen Ort, der ihr ganzes Leben bestimmt hat, auch noch nachdem sie ihm zum Ende des Zweiten Weltkrieges entfliehen kann. Sie will abschließen und die Dämonen endgültig vertreiben.

In Rückblenden wird erzählt, wie Nelka als junges Mädchen aus dem besetzten Lemberg/Lwów auf einen norddeutschen Gutshof verschleppt wird und dort mit anderen Frauen harte Arbeit verrichten muss.

Die Sprache der Autorin ist außergewöhnlich, sie berührt, fesselt und lässt den Leser immer wieder innehalten. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, innerlich durchgehend angespannt und aufgewühlt, stellte sich keine Müdigkeit ein.

Ich bin begeistert von diesem berührenden, großartig erzählten Buch und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus!

© Tintenhain

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