Liz Nugent: Seltsame Sally Diamond [Rezension]

Als ihr verwitweter Adoptivvater kurz vor ihrem 43. Geburtstag stirbt, nimmt Sally Diamond ihn beim Wort: Sie versucht, ihn mit dem Müll zu verbrennen. So wie er es ihr gesagt hat. Ein Fehler, denn nun interessieren sich plötzlich alle für die seltsame Frau, die sich gerne taub stellt, wenn sie unter Menschen geht und am liebsten für sich bleibt: Polizei, Nachbarn, Medien – und eine unheimliche Stimme aus einer Vergangenheit, an die sie sich nicht erinnert. Während sie nach und nach von den schrecklichen Geheimnissen ihrer frühen Kindheit erfährt, nähert sich Sally zum ersten Mal vorsichtig der Welt. Sie übt sich in Vertrauen, schließt Freundschaften, trifft große Entscheidungen und lernt, dass Menschen nicht immer meinen, was sie sagen und nicht immer sind, was sie vorgeben zu sein. Doch wer ist der mysteriöse Fremde, der so viel über sie zu wissen scheint und ihr Nachrichten von der anderen Seite des Globus schickt? Und wieso ist der neue Nachbar so besessen von ihr? (Inhaltsangabe © Steidl Verlag)
Spannend, verstörend, heftig – ein ungewöhnlicher Psychothriller
Wow, das war krass! Und ganz sicher einer der besten Thriller meines Lesejahres, wenn nicht der beste. Dabei kommt “Seltsame Sally Diamond” sowohl vom Titel als auch vom Cover so unscheinbar daher. Aber das Buch hat es in sich.
Sally wirkt auf den ersten Blick autistisch, sie versteht alles wörtlich und folgt damit der scherzhaft gemeinten Anweisung ihres Adoptivvaters, ihn nach seinem Tod mit dem Hausmüll zu verbrennen. Das bringt neben der Polizei auch die Presse auf den Plan und Sally, die bisher sehr zurückgezogen und ohne nennenswerte Sozialkontakte lebte, steht plötzlich im Rampenlicht des öffentlichen Interesses. Dies wiederum führt dazu, dass sie Stück für Stück erfährt, was ihr in ihrer Kindheit zugestoßen ist und warum sie sich an nichts vor ihrem 7. Geburtstag erinnern kann. Die Nachbarn beginnen sich um sie zu kümmern, aber kann Sally ihnen wirklich vertrauen? Vor allem der plötzlich auftauchende Teddy ihrer Kindheit stellt Sally vor eine Herausforderung. Wer weiß so viel von ihr, dass sie sich bedroht fühlt?
Ich war von der ersten Seite an gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Im ersten Teil ist es in den Schilderungen kurzzeitig extrem grausam, das hat mich wirklich gefordert. Zum Glück sind es nicht zu viele solcher Szenen.
Später passiert mehr im Kopfkino und das kann ich besser steuern. Die Figuren sind psychologisch stark angelegt, das Buch ist sehr gut durchdacht und man wird als Leser:in nicht geschont. Der Spannungsaufbau ist auch aufgrund eines zweiten Erzählstrangs einer Person aus der Vergangenheit sehr gut gelungen. Die Geschichte wird noch sehr lange in mir nachwirken.
Liz Nugent als Autorin war mir bisher unbekannt, ich habe sie ab sofort definitiv auf dem Schirm.
© Tintenhain
Das Buch wurde im Juni 2026 neu aufgelegt im Gutkind Verlag.
Softcover: 400 Seiten
Verlag: Steidl Verlag (17. September 2025)
Originaltitel: Strange Sally Diamond (2023)
Übersetzung aus dem Amerikanischen: Kathrin Razum
ISBN-13: 978-3-96999-491-7
Preis: € 18,00 [D] auch als e-Book
Bibliotheksbuch

Schreibe einen Kommentar