Karen Hamilton: Perfect Girlfriend – Du weißt, du liebst mich [Rezension]

Cover Perfect Girlfriend
Cover © Blanvalet

Juliette Price weiß genau, was sie will und wen sie will. Um ihrem Freund Nate nahe zu sein, wird sie Flugbegleiterin bei der Airline, für die er als Pilot arbeitet. Sie sind füreinander bestimmt, da ist Juliette absolut sicher. Dass Nate vor ein paar Monaten mit ihr Schluss gemacht hat, bedeutet nichts. Denn Juliette hat einen Plan, wie sie ihn zurückgewinnen wird. Sie ist die perfekte Freundin, und sie wird ihm zeigen, wie sehr er sie in seinem tiefsten Inneren noch liebt – und wenn er sie dafür erst einmal fürchten lernen muss… (Klappentext „Perfect Girlfriend“ © Blanvalet Verlag)

Bei Elizabeth Juliette Price steht alles auf Neuanfang. Sie nennt sich nun Juliette und hat gerade ihre Ausbildung zur Flugbegleiterin beendet. Doch noch ist es zu früh, um sich für einen Flug mit dem Piloten Nate einteilen zu lassen. Denn Juliette ist mit ihren Vorbereitungen noch nicht fertig. Erst wenn alles perfekt ist, wird sie Nate davon überzeugen, dass er ihr Mann fürs Leben ist und die Trennung von ihr ein furchtbarer Fehler war.

„Perfect Girlfriend“ ist ein Thriller aus der Sicht einer Stalkerin. Juliette ist besessen von ihrem Exfreund Nate und setzt alles daran, um ihn zurückzugewinnen. Bei ihren Vorbereitungen überlässt sie nichts dem Zufall. Unbemerkt schleicht sie sich in Nates Wohnung, seinen Job, in sein Leben zurück und krempelt dabei ihr eigenes Leben komplett um. In Juliettes Denken gibt es keinen Raum für anderes, sie wird die perfekte Freundin für Nate sein.

Ich fand das Buch faszinierend: Eine weibliche Täterin, die einen wirklich das Fürchten lehrt und dabei so logisch und kalkuliert vorgeht, dass man ihr fast wünschen würde, dass alles so kommt, wie sie es sich wünscht. Juliette denkt wirklich an alles, nur nicht daran, dass man ihr Verhalten merkwürdig finden könnte oder dass man Liebe nicht erzwingen kann. Freundinnen sucht sie sich mit Kalkül und sie hat auch keine Scheu, einen komplett neuen Beruf zu erlernen, um ihrem Ziel näher zu kommen. Dass Juliette als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte, erfährt man gleich zu Anfang. Doch wie sich ihr Leben von da an weiter entwickelte, kommt erst Stück für Stück zum Vorschein.

Es gibt immer wieder Andeutungen, wie sich das Puzzle zusammensetzt und einiges kann man auch schon erahnen. Die Spannung baut sich eigentlich mehr darauf auf, wie weit Juliette gehen kann. Fast schon wünscht man ihr den Erfolg. Gleichzeitig taten mir die Menschen in ihrer Umgebung leid. Diese Ambivalenz wird durch einen Charakter hervorgerufen, der mit einer sehr distanzierten und unterkühlten Ich-Erzählerinnen-Stimme den Leser auf seine Seite zu ziehen versucht.

Der Thriller kommt zunächst nur langsam in Fahrt und es zeitweilig fast schon langweilig, Juliette bei ihren Vorbereitungen zu beobachten. Erst ab der Hälfte des Romans entwickelt sich zunehmend Spannung bis zu dem Moment, an dem man sich fragt, wie durchgeknallt es eigentlich ist, mit einer Psychopathin mitzufiebern und nicht mehr zu wissen, welchen Ausgang man sich eigentlich wünschen soll. Das Ende hat mich dann allerdings wenig überzeugen können, es schien mir als wüsste die Autorin auch nicht, wie sie da wieder herauskommen sollte.

„Perfect Girlfriend“ ist sprachlich sicher kein Meisterwerk, lässt sich aber gut und flüssig lesen. Karen Hamilton bringt eigene Erfahrungen aus ihrem früheren Berufsleben als Stewardess in den Roman ein, was die Szenen sehr lebendig und abwechslungsreich gestaltet. Das Buch hat mich nicht umgehauen, aber nach anfänglichen Schwierigkeiten hab ich es ganz gern gelesen.

© Tintenhain


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Einzelband
Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag (9. Juli 2018)
Originaltitel: The Perfect Girlfriend (2018)
Übersetzung aus dem Englischen: Christoph Göhler
ISBN-10: 3764506547
ISBN-13: 978-3764506544
Preis: € 15,00 [D]
Rezensionsexemplar
Cover Perfect Girlfriend
Cover © Blanvalet

3 Kommentare

  1. Huhu!
    Mir hat das Buch eigentlich sehr gut gefallen, Juliette ist so eine sympathische Antiheldin. Ich glaube, was dem Buch nicht gut tut, ist die Genre-Schublade Thriller. Denn das ist es wirklich nicht, dafür ist die Spannungskurve einfach zu flach. Aber es steht ja auch eigentlich nicht so drauf 😄 wenn man Juliette losgelöst von solchen Erwartungen folgt, fand ich es wirklich toll, ihr und ihrem selbstgeschaffenen Wahn zu folgen.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    1. Mir hat es ja auch gut gefallen. Nur den Anfang fand ich schleppend und das Ende war mir zu wischiwaschi. 🙂
      Den Ansatz, einer Stalkerin zu folgen, fand ich spannend. Sympathisch fand ich sie allerdings nicht, eher beharrlich. Aber ich finde auch nicht, dass Protagonisten sympathisch sein müssen.

      Liebe Grüße,
      Mona

  2. Danke, dass du mir schon ein Plätzchen bei den weiteren Rezensionen reserviert hast 😀
    Das Ende fand ich auch irgendwie seltsam – wirkte so, als hätte Hamilton zwar einige gute Ideen für den Plot, die sie auch alle abgearbeitet hat, aber dann nicht mehr weiter wusste.
    Trotzdem ein gutes Buch mit einem neuen Ansatz (hab so etwas davor zumindest noch nicht gesehen), ich brauchte aber auch eine Zeit bis ich drin war.

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