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M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter (1) [Rezension]

Agatha Raisin und der tote Richter Cover © Bastei Luebbe Verlag
Cover © Bastei Luebbe Verlag

Ein Kindheitstraum wird für die PR-Agentin Agatha Raisin wahr, als sie sich etwas verfrüht in den Vorruhestand begibt und endlich das ersehnte Cottage in den Cotswolds kauft. Ein hübsches Häuschen in einem gemütlichen Dorf mit Traditionen, hier will sie ihren Lebensabend beschließen. Doch es ist nicht ganz einfach dazuzugehören und so entschließt sich Agatha Raisin an dem Dorfwettbewerb um die beste Quiche teilzunehmen, um ihren guten Integrationswillen zu zeigen. Doch am nächsten Morgen ist der Preisrichter tot – und das, nachdem er die Reste ihrer Spinatquiche gegessen hat. Gott sei Dank war die Quiche gekauft, denn Agatha kann gar nicht kochen. Doch irgendwas sagt der etwas gelangweilten Vorruheständlerin, dass das kein Unfall gewesen ist.

Agatha Raisin ist Karrierefrau, und sie weiß genau, was sie will und wie sie es bekommt. Und auch im Ruhestand verlässt sie sich auf die bewährten Strategien. Ihre Methoden sind dabei nicht immer besonders liebenswert und so kommt es auch, dass sie bei in ihrem neuen Wohnort Carsley nicht gerade herzlich willkommen geheißen wird. Zu berechnend ist ihre Art und so stolpert sie auch immer wieder über Steine, die sie sich selbst in den Weg gelegt hat.

Ein Quiche-Wettbewerb soll ihr Tür und Tor in die Herzen der Bewohner des schmucken kleinen Dorfes in den Cotswolds öffnen. Dumm nur, dass Agatha gar nicht backen kann. Bisher hat sie sich von Tiefkühlkost und mittels Restaurantbesuchen ernährt. Also fix nach London gefahren zum besten Feinkostladen in town. Dass das nicht gut gehen kann, ahnt man von Anfang an und so liest man fast schon mit Schadenfreude, wie Agatha sich selbst ins Unglück reitet. Doch irgendwie ist sie dann doch wieder liebenswert, diese Agatha Raisin. Ein wenig schrullig und zu sehr von sich eingenommen vielleicht, aber eigentlich hat sie doch immer (zwar nur für sich) die besten Absichten und nach und nach kommt sie dahinter, wie die Dorfbewohner ticken. Am hilfreichsten ist dabei wohl die gutherzige Pfarrersfrau, die geschickt dafür sorgt, dass Agathas Eifer dem Dorfe zu Gute kommt. Mit ihrer Hilfe lernt sie die Frauen im Dorf kennen und ist zudem immer mehr davon überzeugt, dass Preisrichter Cummings-Browne ganz bestimmt nicht einem unglücklichen Zufall zum Opfer gefallen ist.

An ihrer Seite hat sie den gutmütigen Polizisten Bill Wong, der Agatha immer wieder davon überzeugen will, es doch gut sein zu lassen. Doch als Agatha unmittelbar bedroht wird, hat auch er Zweifel, ob bei der Quiche nicht doch noch jemand die Hand im Spiel hatte.

Cosy Crime at its best! – mir hat das Buch sehr viel Spaß gemacht, vor allem durch die kauzige Protagonistin und die Situationskomik, die sich immer wieder einstellte. Der Kriminalfall ist zugegebenermaßen nicht so spannend. Das Buch lebt vielmehr von der Beschreibung des Dorflebens, der manchmal schon etwas schrägen Bewohner und einer gesunden Portion Selbstironie. Dabei wird kein Klischee ausgelassen, doch ich finde, das muss so sein. Denn was eignet sich besser für englische Klischees als die Cotswolds?!

Wer also einfache, aber gute Unterhaltung mit englischem Flair und einem Augenzwinkern mag, ist mit Agatha Raisin bestens bedient. Der Vorname der Protagonistin ist dabei kein Zufall, denn M.C. Beaton macht keinen Hehl daraus, dass ihre Reihe von Agatha Christie und ihren Miss-Marple-Romanen inspiriert ist. In ihrer neu gewonnen Freizeit liest Agatha Raisin dann auch am liebsten Krimis von Agatha Christie.

»Ja, es gibt einen durchgehenden Zug um zwanzig nach sechs ab Paddington. Mit dem seid ihr in Moreton-in-Marsh um…«
»Wo?«
»Moreton-in-Marsh.«
»Schätzchen, das klingt reichlich nach Agatha Christie.«

Auch wenn ich die Reihe gerade erst mehr zufällig in der Bücherei entdeckt habe, so ist die Hobbydetektivin Agatha Raisin in England und auch in Deutschland längst kein unbeschriebenes Blatt. In England sind bereits mehr als 20 Romane erschienen und es wurden auch bereits sieben Bände ins Deutsche übersetzt. M.C. Beaton ist das Pseudonym von Marion Chesney, einer schottischen Schriftstellerin, die sich vor allem durch zahlreiche historische Liebesromane und Krimis einen Namen gemacht hat und die inzwischen selbst in einem Cottage in den Cotswolds wohnt.

Ich habe jedenfalls unbändige Lust auf die nächsten Romane der Reihe und habe den zweiten Band bereits aus der Bücherei geholt.

© Tintenhain

Autoren-Homepage
Offizielle Homepage von Agatha Raisin

Agatha Raisin – Reihenfolge:

  1. Agatha Raisin und der tote Richter – Agatha Raisin and the quiche of death (1992)
  2. Agatha Raisin und der tote Tierarzt – Agatha Raisin and the vicious vet (1993)
  3. Agatha Raisin und die tote Gärtnerin – Agatha Raisin and the Potted Gardener (1994)
  4. Agatha Raisin und die Tote im Feld – Agatha Raisin and the Walkers of Dembley. (1995) 5. Agatha Raisin und der tote Ehemann – Agatha Raisin and the Murderous Marriage (1996) 6. Agatha Raisin und die tote Urlauberin – Agatha Raisin and the Terrible Tourist (1997)
  5. Agatha Raisin und der Tote im Wasser – Agatha Raisin and the Wellspring of Death (1998)
  6. Agatha Raisin and the Wizard of Evesham (1999)
  7. Agatha Raisin and the Witch of Wyckhadden (1999)
  8. Agatha Raisin and the Fairies of Fryfam (2000)
  9. Agatha Raisin and the Love from Hell (2001)
  10. Agatha Raisin and the Day the Floods Came (2002)
  11. Agatha Raisin and the Case of the Curious Curate (2003)
  12. Agatha Raisin and the Haunted House (2003)
  13. Agatha Raisin and the Deadly Dance (2004)
  14. Agatha Raisin and the Perfect Paragon (2005)
  15. Agatha Raisin and Love, Lies and Liquor (2006)
  16. Agatha Raisin and Kissing Christmas Goodbye (2007)
  17. Agatha Raisin and a Spoonful of Poison (2008)
  18. Agatha Raisin: There Goes The Bride (2009)
  19. Agatha Raisin and the Busy Body (2010)
  20. The Agatha Raisin Companion (2010)
  21. As the Pig Turns (2011)
  22. Hiss and Hers (2012)
  23. Something Borrowed, Someone Dead (2013)
  24. The blood of an Englishman (2014)

5 Tintenfaesschen

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M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter (1)

Reihe
Taschenbuch:
256 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch) (19. Juli 2013)
Originaltitel: Agatha Raisin and the Quiche of Death
Übersetzung aus dem Englischen: Sabine Schilasky
ISBN-10: 3404168283
ISBN-13: 978-3404168286
Preis: € 8,99 [D]
Bücherei

Cover © Bastei Luebbe Verlag
Cover © Bastei Luebbe Verlag

11 Kommentare

  1. Eine sehr schöne Rezension, die Appetit macht. Ich gebe unumwunden zu, dass mir weder die Schriftstellerin noch die Reihe irgendetwas sagen. Du hast also eine Bildungslücke geschlossen 😉 Die Beschreibung klingt gut, für mich als alten Agatha Christie-Fan wohl ein Muss. Wenn ich ein klein wenig meckern darf – am Buchcover, nicht an der Rezi, dann ist es das Bild der Kirche. Lieber Bastei-Lübbe Verlag, habt Ihr so wenig Geld, dass Ihr alte Bilder aus dem Archiv kramen müsst? Diese Kirche ist so dermaßen eindeutig Norddeutschland zuzuordnen und steht im Leben nicht in England!

    1. Ich habe die Reihe auch jetzt erst rein zufällig entdeckt. (Hab ich schon mal gesagt, dass ich unsere Bücherei liebe?!) Bei Teil zwei ist meine Euphorie etwas abgeklungen – Rezi kommt am Samstag.
      Das mit dem Cover wäre mir gar nicht aufgefallen. Ich bin eine sehr unaufmerksame Bilderguckerin, weshalb Comics und Graphic Novels bei mir auch leider Perlen vor die Säue sind.

  2. Ja… was wären wir ohne lebendige Büchereien. Gott sei Dank haben wir hier auch eine Rührige.
    Zum Cover habe ich nur etwas gesagt, weil ich zuerst versucht war, über deinen Tweed zur Rezension hinwegzulesen. Ich habe gerade ein paar deutsche Krimis hinter mir und… nun, die Erfahrungen waren eher lauwarm. Und so huschte mein Blick über das Cover, mein Gehirn registrierte “norddeutsche Dorfkirche” und schaltete auf “Uninteressant”, “nicht schon wieder”. Spaß beiseite… ich denke, viele huschen mit den Augen über die Cover. Hier wird – glaube ich – viel Potenzial verschenkt.

    1. Unter meine Rezi zum zweiten Teil habe ich drunter geschrieben: “Wer einen richtigen Krimi lesen will, ist hier falsch.” Das trifft eigentlich auch auf den ersten Teil zu. Ist mehr cosy als crime. 😁
      Ich lasse mich auch von Covern beeindrucken, habe aber meist nicht den Blick fürs Detail. Gestern erst habe ich auf instagram ein Cover gesehen, bei dem mir ohne Zusatztext entgangen wäre, dass ganz dezent ein riesiges Gesicht abgebildet war. Dafür weiß ich noch ganz genau Titel und Autor. 😊

  3. Und wieder ein Buch, das ich lesen muss! Cosy crime ist genau mein Ding. Und ich muss gestehen, dass mir das Cover gut gefällt, aber richtig… beim zweiten Drüberschauen (und nach dem Lesen der Kommentare) sieht das tatsächlich nicht unbedingt nach England aus. Also Zeit, den Wunschzettel wieder zu bestücken. 😉

  4. Ich habe die Reihe auch mal zufällig entdeckt, weil ich damals einen Kindle neu hatte und mir viele kostenlose oder preiswerte Bücher heruntergeladen habe. Darunter war auch eines mit den ersten vier Bänden. Danach habe ich dann ungefähr 15 weitere gelesen (leichtes Englisch, zumal ja auch vieles wiederholt wird) und mich sehr über Agatha geärgert und amüsiert. Es ist alles ein bisschen klischeehaft, aber doch nett zu lesen.
    Viel Spaß mit den weiteren Bänden,
    Ingrid
    P.S. Ich hatte auch mal Hamish McBeth probiert, aber der war mir so unsympathisch, dass ich nicht weiter lesen konnte.

  5. Eine meiner absoluten Lieblingsreihen, hab sie auch mal vor zwei Jahren rezensiert, aber leider fand sie beim Publikum hier kaum Anklang^^ dafür haben mittlerweile alle meine Mädels die Reihe gelesen und lieben sie genauso wie ich. Im November erscheint übrigens die zweite Krimireihe von M.C. Beaton auf deutsch, “Hamish MacBeth”, ein kauziger Dorfpolizist. Da bin ich jetzt schon Feuer und Flamme ^^

  6. Pingback: Rezension – Agatha Raisin and the Quiche of Death – Celinas Bücherregal

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