Jonathan Stroud "Lockwood & Co." in Braunschweig [Lesung]

Cover Lockwood & CoJonathan Stroud wollte schon immer mal was Gruseliges schreiben. Mit „Lockwood & Co.“ hat er nun sein eigenes kleines Geisteruniversum geschaffen und zieht damit seine Fangemeinde in Bann.
So kamen auch gestern viele Kinder und Jugendliche, aber auch etliche Erwachsene auf Einladung der Buchhandlung Graff in die Stadtbibliothek Braunschweig, wo Jonathan Stroud charmant sein Publikum auf Deutsch begrüßte. Die Moderation übernahm Marc Langebeck, bekannt aus der Kinderliteratursendung „quergelesen“ des Kinderkanals. Die Schauspielerin und Synchronsprecherin Judith Hoersch, die auch die deutsche Hörbuchfassung eingelesen hat, las die deutschen Textausschnitte.
Jonathan Stroud
Doch zunächst wollte Marc Langebeck wissen, wer das Buch denn überhaupt schon gelesen habe. Da es nicht allzu viele Handzeichen gab, sprang er gut gelaunt ins Publikum und ließ die zehnjährige Susan eine Zusammenfassung des ersten Bandes „Die seufzende Wendeltreppe“ geben. Diese war so begeistert von dem Buch, dass sie am liebsten gleich alles erzählt hätte.
Nachdem Jonathan Stroud den Prolog des Buches im Original vorgelesen hatte, erzählte Judith Hoersch, wie sie beim Einlesen des Hörbuches vorgegangen war. Die größte Herausforderung stellte die Stimme des Protagonisten George dar, wohingegen ihr die Rolle eines bösen, alten Mannes besonders viel Spaß machte. Ganz besonders freute sie sich darüber, dass auch die nächsten Bände aus der Sicht von Lucy geschrieben werden. So ganz klar, war das übrigens nicht, denn Jonathan Stroud hat versuchshalber das zweite Buch aus der Sicht von Lockwood begonnen, diese Idee dann aber wieder verworfen. Lucys Sichtweise bietet eben doch mehr Distanz, um Geschehnisse zu kommentieren und den Überblick zu behalten, wie Stroud schnell feststellte.
Stroud Lesung2
Judith Hoersch las mehrere Abschnitte des Romans, was sicher einige Unentschlossene dazu bewog, das Buch anschließend zu kaufen. An Strouds Gesichtsausdruck konnte man ablesen, dass er immer ungefähr wusste, welche Stelle sie gerade las. Er meinte auch, dass es interessant sei, sein Buch auf einer anderen Sprache mit einem anderen Sprachrhythmus zu hören. Auf Englisch kommt es ihm immer so vor als würde er sich selber zuhören.
Aber auch die Praxis kam nicht zu kurz. Da in einer phantastischen Welt immer alles stimmig sein muss, hat sich der Autor viele Gedanken zu Geistern und deren Bekämpfung gemacht. In seiner großen schwarzen Tasche mit dem Aufdruck „Lockwood & Co.“ hatte er dann auch die typische Geisterjägerausrüstung dabei, die ein Mädchen aus dem Publikum präsentieren durfte. Besonders begeistert zeigte sich Jonathan Stroud von einem Döschen „magnesium flare“ (Griechisches Feuer), aber auch Eisenspäne, eine Salzbombe und vieles mehr gehörten dazu. Dass das Thermometer 50°C anzeigte, war zwar verwunderlich, aber zumindest bedeutete das auch, dass keine Geister anwesend waren. Das Wichtigste kam jedoch zum Schluss: eine Eisenkette für den Bannkreis, ein Schwert mit Silberspitze und natürlich eine Tasse feinsten English Breakfast Tees.
Geisterbilde
Da man aber als Geisterjäger auch wissen muss, welche Arten von Geistern es gibt und wie man sie erkennen kann, hatte Jonathan Stroud auch einige Bilder mitgebracht. Marc Langebeck wies darauf hin, dass im deutschen Glossar nicht alle Geisterarten aufgeführt seien und schlug dem Verlag vor, daraus einen Wettbewerb zu machen. Dies wiederum inspirierte Jonathan Stroud zu einem Wettbewerbsvorschlag, neue Geister zu erfinden. Man kann also gespannt sein.
Für „Lockwood & Co.“ hat Jonathan Stroud vier Bände geplant. Möglicherweise werden es sogar fünf (jedoch keinesfalls mehr), aber bisher gibt es zu jedem Buch nur einen Satz mit der zentralen Idee. An Band 2 wird allerdings schon geschrieben und zum Beweis brachte er seinen dreiseitigen „Masterplan“ mit und zeigte ihn dem Publikum – natürlich aus der Ferne. Allerdings wird so ein Masterplan auch immer wieder überarbeitet. Hoffen wir also, dass es trotzdem mit dem Erscheinungstermin im Herbst 2014 klappt.
Zum Schluss beantwortete Jonathan Stroud noch viele Fragen aus dem Publikum, unter anderem auch die, wie er zum Schreiben kam. Dafür zeigte er sein erstes „Buch“ „Tower oft he Undead“, das er mit 12 Jahren in ein Schulheft geschrieben und selbst illustriert hatte.
signiert
Anschließend signierte der Autor noch die mitgebrachten und neu erworbenen Bücher und um mit Jonathan Strouds Worten zu enden:
„Buy lots of copies, it’s great!“
© Tintenelfe

20 Kommentare

    1. Er hat das wirklich toll gemacht. Total locker und auf die Zielgruppe zugeschnitten. Und der Moderator hat auch nicht langweilig übersetzt, sondern seine eigene Note dazu gegeben.
      Ich drück Dir die Daumen, dass Jonathan Stroud sich auch mal zu Dir in die Gegend verirrt. Ist bei der Tour wirklich nichts in Deiner Nähe?

      1. Nicht wirklich – es wäre alles mit mehreren Stunden Fahrt verbunden, da lohnt es sich einfach nicht, sich auf den Weg zu machen, wenn Hin- und Rückweg doppelt so lang dauern wie die Lesung selbst…

      1. Ist es ja echt nicht. Bin gerade an der Stelle, wo sie vorkommt. Der deutsche Titel passt sooo überhaupt nicht dazu :).
        Aber Übersetzungsstilblüten bei Buch/Filmtiteln kommen ja oft vor, leider.

      2. Schade eigentlich. Aber manchmal passt auch der Inhalt des Klappentextes nicht unbedingt zum Inhalt des Buches. Keine Ahnung, was man sich dabei (nicht) denkt.

    1. Es freut mich, dass meine Begeisterung doch in dem Artikel spürbar ist. Ich hatte schon Sorge, ich hätte zu nüchtern berichtet.
      Am Samstag gibt es übrigens eine Livestream-Lesung auf Lovelybooks.

      1. Also ich fand den Bericht toll und habe mich fast ein wenig so gefühlt, als wäre ich selbst da gewesen. 🙂
        Ja, das mit der Lesung habe ich auch schon mitbekommen. Mal sehen, ob ich Zeit habe, da mal reinzuschauen. „Die seufzende Wendeltreppe“ lese ich ja zufällig auch gerade. 😉

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