Tintenhain – Der Buchblog

Buch des Monats – Februar 2026

Es ist schon März, die Sonne scheint und die Frühblüher stecken wagemutig die Blütenköpfe in die Wärme, die sich in den letzten Tagen zeigt. Der Februar brachte noch mal ordentlich Schnee, aber auch sieben wirklich gute Bücher. Mein Highlight steht schon fest – wahrscheinlich für die nächsten Monate. Ich schwärme ja immer noch so von dem Buch. Ganz so leicht ist das mit der Wertung nicht. Viele Bücher haben dieses Mal vier Sterne bekommen und eigentlich mag ich da gar kein Ranking machen. Aber nun ja, so ist das Format.

(Wertung aufsteigend)

 

Cover Holly Jackson Not Quite Dead Yet

Holly Jackson: Not Quite Dead Yet

“Not quite dead yet” ist mal wieder ein Buch, auf das ich über die Reado-Community aufmerksam wurde. Die Story klang vielversprechend. Eine junge Frau, die nach einem brutalen Überfall weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat, versucht die verbleibende Zeit zu nutzen, um ihren Mörder zu finden. Das versprach jede Menge Spannung mit einem ungewöhnlichen Plot. Tatsächlich hat mir das Buch gefallen, spannend war es alle Mal. Allein, dass ich während des Lesens immer davon ausging, es mit Teenagern zu tun zu haben (Jet ist 27), hat mich fortwährend irritiert. Das mag vor allem am Schreibstil liegen, aber auch am sehr unreifen Verhalten der Protagonistin.

 

Cover Christine Wunnicke: Wachs

Christine Wunnicke: Wachs

“Wachs” ist der Werkstoff, den Marie Biheron nutzt, um die Anatomie des Menschen nachzubilden. Um zu lernen und zu lehren. Ihre Freundin Madeleine Basseporte zeichnet – vor allem Pflanzen. So kunstvoll, dass man sie an den königlichen Hof ruft. Die beiden Frauen leben für ihre Zeit (18. Jhd.) ungewöhnlich selbstbestimmt.
Die Autorin Christine Wunnicke zeichnet ein interessantes Portrait der beiden Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen. Sprachlich ist das dünne Büchlein recht anspruchsvoll, die Erzählung springt und man muss schon sehr aufpassen, nichts zu verpassen. Ohnehin steht viel zwischen den Zeilen.
Tatsächlich habe ich zwischendurch gegoogelt, um die Persönlichkeiten (es gibt noch mehr historische Personen) besser verstehen und einordnen zu können.

 

Cover: Morgan Talty Sein Name ist Donner

Morgan Talty: Sein Name ist Donner

Ich war sehr neugierig auf das Buch, vor allem weil es um das Leben in einem Reservat in den USA geht und ich darüber recht wenig weiß.
Erzählt wird aus der Perspektive von David, der mit seiner Mutter zurück in ein Reservat zieht. Es wechseln häufig die Zeiten, sodass man auch nicht immer weiß, wie alt David gerade ist und wo man sich innerhalb der Geschichte befindet. Die nicht-linearen Zeitsprünge fand ich sehr herausfordernd, da ich auch aufgrund von Unausgesprochenem manchmal Schwierigkeiten hatte, der Handlung zu folgen.
Inhaltlich fand ich die Einblicke in das von Perspektivlosigkeit und Armut, teils auch von erhaltenen indigenen, kulturellen Einflüssen geprägte Leben der Jugendlichen interessant, berührend und sprachlich sehr gut erzählt. Ein durchgehender roter Faden hätte mir allerdings ein größeres Lesevergnügen beschert.

Im Nachwort kommt zur Sprache, dass Teile des Romans bereits in Zeitschriften abgedruckt wurden. Vielleicht erscheint das Ganze daher wie ein Flickenteppich. Im letzten Kapitel wird eine Begebenheit aufgegriffen, die erklären könnte, warum Davids Leben von Drogen, Alkohol und Nikotinsucht geprägt ist. Allerdings war das meinem Empfinden nach zu spät, um noch Zusammenhänge herzustellen.

 

Cover Freida McFadden: Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?

Freida McFadden: Die Kollegin

Seit “Wenn sie wüsste” liebe ich die Bücher von Freida McFadden. In “Die Kollegin” verschwindet die etwas nervige, pedantische und im Umgang mit anderen ungeschickte Dawn. Ein anonymer Anruf erreicht ihre Kollegin Natalie, die sich sofort auf die Suche begibt. Freida McFadden spielt mit den Perspektiven der beiden Frauen, um Unsicherheit und Ungewissheit zu erzeugen. Wieder einmal ist alles anders als gedacht. Mit hat es gut gefallen, abgesehen davon, dass eine sehr wahrscheinlich autistische Person nicht nur stereotyp, sondern auch krankhaft dargestellt wird.

 

Cover Ruth Ware , Susanne Goga-Klinkenberg The Woman in Suite 11

Ruth Ware: The Woman in Suite 11

Der neue Thriller von Ruth Ware ist tatsächlich die Fortsetzung von “The Woman in Cabin 10”. Ich denke, man muss den Vorgänger nicht unbedingt gelesen haben, aber es kann nicht schaden, da bekannte Figuren wieder auftauchen. Mir hat “Woman in Suite 11” Spaß gemacht und ich fand es die meiste Zeit spannend. Natürlich ist es als Fortsetzung auch ziemlich konstruiert, dem Spaß hat das aber keinen Abbruch getan.

Cover Caroline Schmitt Monstergott

Caroline Schmitt: Monstergott

Ben und Esther sind Mitglieder einer freikirchlichen Gemeinde, in der sie sich zunehmend gefangen fühlen. Zweifel stellen sich ein, wenn Esther als Frau keine Gruppe leiten darf oder Ben sich zunehmend fragt, ob es wirklich so falsch ist, zu lieben, wen man will. Doch es ist nicht leicht, den Glauben und seine Regeln infrage zu stellen – und damit alles, was sie kennen. 
Ich fand den Roman sehr beeindruckend und mitreißend. Da ich punktuell ab und zu mit einer Braunschweiger Freikirche, aber auch mit der örtlichen protestantischen Gemeinde zu tun habe, fand ich den Roman auch auf der sachlichen Ebene sehr spannend. Caroline Schmitt gelingt es, ihre Figuren sehr authentisch zu gestalten und ihre inneren Kämpfe nahezubringen.

Buch des Monats

Cover Charlotte McConaghy Die Rettung

Charlotte McConaghy: Die Rettung

Eine Familie am Rande der Antarktis und eine Frau, die am Ufer der kleinen Insel am Ende der Welt strandet und alles durcheinander bringt. So viele Geheimnisse, die es zu lüften gilt und dabei läuft ein Wettrennen mit der Zeit, bevor die Naturgewalten die Insel in den Untergang treiben.

Charlotte McConaghy schreibt unglaublich fesselnd. Die Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig. Man kann sich an ihnen reiben, sie entdecken und immer besser kennenlernen. Am meisten beeindruckt haben mich wohl aber die eindrücklichen Beschreibungen der Insel mit ihrer karg anmutenden, aber vielfältigen Flora und vor allem der vielen Robben, Pinguine, Wale und anderen Tiere.

Die Liebe zur Natur, unserer schützenswerten Erde mit ihrer unglaublichen Diversität sind ein zentrales Anliegen, genauso wie das Thema Familie und die Liebe zwischen uns Menschen. 
McConaghy baut ihren Roman sehr geschickt auf. Es gibt viele Geheimnisse auf der Insel. Manche ahnt man schon, andere schockieren. Einfach ein großartiger Spannungsaufbau, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefangen hielt. Ich wollte nur kurz mal hineinlesen und hing sofort fest. Gut, dass es ein freier Sonntag war. Ich habe das Buch noch am selben Tag beendet – und irgendwann nebenbei Walgesängen zugehört, einfach, um das Buch noch stärker zu spüren. 
Absolute Leseempfehlung!

© Tintenhain

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